Mittwoch, 28. Dezember 2016

Warum Pendeln weg kann.

Büro | "Bock was trinken zu gehen?" - "Jo - wenn, dann heute, ab morgen habe ich Besuch." - "Passt mir super!" - "Prima!"

Bar | Einen "43 Grad" und einen "Hulk" später liebe ich alles, obwohl Inventur ätzend und mein Knie verletzt ist.

Hauptbahnhof | Überpünktliche 10 Minuten vor Abfahrt meiner Regio stehe ich am Gleis und wundere mich, dass die vorige Regio noch dort steht - extrem verspätet. Irgendwann die Meldung zu meinem Zug auf der Infotafel: "10 Minuten Verspätung". Später dann die Durchsage: "LOL dicker PRANK, eigentlich ist die Strecke komplett gesperrt und der Strom auf den Gleisen abgeschaltet wegen betriebsfremder Person. Have fun, good luck!"

Hauptbahnhof, 10 Gleise weiter | Sämtliche S-Bahnen, die zumindest in die richtige Richtung fahren, stehen auch nur doof herum. Ich setze mich dennoch in eine, denn ich bin minimal angeheitert, verwirrt und friere wie Sau. Sehr viele Ewigkeiten später fährt sie los. Hoffnung macht sich breit.

Bahnhof | Am nächsten S-Bahnhof steht der Zug wieder. Drölf unterschiedliche Ansagen verwirren jeden meiner Mitreisenden. Schließlich steigen alle aus, da die Bahn zum Hauptbahnhof zurückfährt. Der Bahnhof erinnert an ein Festivalgelände, nur mit weniger Bier und mehr schlechter Laune.

Immer noch der selbe Bahnhof | Die nächste S-Bahn fährt ein. Zwei verschiedene Ansagen, die jeweils das Gegenteil behaupten. Auf nichts mehr irgendwas gebend setze ich mich hinein; soll sie mich doch zum Hauptbahnhof zurück bringen - da gibt es wenigstens einen McDonald's. Doch oh Wunder, die Bahn fährt in die eigentliche Richtung. Engelschöre singen im Hintergrund "Mad World".

Busbahnhof, bei den Bussen | Drei Bahnhöfe weiter steige ich aus und blicke auf die Uhr. Ich habe zwei Möglichkeiten: Eine Regio, die weiter in meine Richtung fährt, oder ein GENAU JETZT fahrender Bus, der das gleiche tut, aber sechsmal so lange braucht. Ich habe eine 50:50-Chance und setze alles auf den Bus. Ich renne. Mein Knie hasst mich. Der Bus steht noch da, aber ist so voll, dass ich nicht mehr hineinpasse. Wenige Sekunden später fährt er ab und ich japse wie Darth Vader ohne Asthma-Inhalator. Der nächste Bus fährt in 30 Minuten.

Busbahnhof, bei den Bahnen |
Ich habe keinen Bock auf doof rumstehen und humpele zu den Regio-Gleisen. Die Regio von vorhin habe ich nicht verpasst, denn sie ist bisher noch gar nicht aufgetaucht. An der Infotafel werden "30 Minuten Verspätung" angezeigt, die bereits reelle 45 Minuten sind. Das Raum-Zeit-Gefüge der Bahn ist mir regelmäßig ein Rätsel. Ich beschließe, mein doof rumstehen an diesen Ort zu verlagern, falls in der nächsten halben Stunde die Regio auftauchen sollte.

Busbahnhof, bei den Bussen | Die Regio ist nicht aufgetaucht. Da ich zu erfrieren drohe, humpele ich zurück zu den Bussen. Ein Haufen Menschen steht dort und scheint sich auf einen Kampf auf Leben und Tod vorzubereiten, aka das erfolgreiche Betreten des nächsten Busses. Ich stelle mich dazu und hoffe darauf, nicht totgetrampelt zu werden.
Der Bus kommt.
Ich wühle mich durch mehr Glück als Verstand an fünfter Stelle durch die Tür und lasse mich, fertig mit der Welt, in die hinterste Ecke eines Vierers fallen. Ich bin müde, so unendlich müde. Meine Dusche und mein Bett schreien bis hierhin nach mir; ich kann sie hören.
Eine Frau setzt sich neben mich. "Stört's Sie, wenn ich ein Käsebrot esse?", fragt sie mich mampfend.
"Mich stört gerade gar nichts mehr", erwidere ich gefrustet.
"... ich kann Ihnen auch eins abgeben!", lacht die Frau.
Mir wird wieder warm ums Herz.

Sonntag, 25. Dezember 2016

ok.- Mandarin: Weihnachtlich die Arterien verkalken!


ok.- scheint aktuell gerne neue Sachen rauszuhauen. Wasser gab es ja irgendwie schon immer von der Marke und auch das Bier hatte ich schon hier verwurstet. Aber nun habe ich bereits Coffee to go, Eistee und drölf andere Sachen entdeckt, denen ich mich mal in ihrer Gänze widmen muss! Fürs Erste soll die Weihnachtssorte reichen. (Die gibt es schon etwas länger, ich bin nur immens spät dran mit dem Post :D)




Dose | Silbern mit weißen Schneeflocken. Kühle Winter-Atmo. Passt gut in meine stilisierte Küche mit dunkelgrauen Oberflächen. Vielleicht baue ich aus diversen Dosen eine Pyramide und behaupte, das sei ein hipper Weihnachtsbaum.

Geruch | Dieser typische Joghurt- oder Molkedrinkgeruch. Mit Fantasie ist die Mandarine erriechbar.

Geschmack | Mandarinen-Molkedrink-Limonade mit leicht säuerlichem Abgang. Wirkte zuerst sehr lasch auf mich, wird aber mit jedem Schluck intensiver und leckerer, wie ich finde. Vielleicht habe ich vorher was extrem Süßes gegessen und daher schmeckte der arme Drink erst einmal so neutral wie die Schweiz in meinem Mund...? Ich finde, die Sorte ist eine nette, saisonale Idee und man kann sie bedenkenlos kaufen, wenn man auf Mandarinen steht.

Fazit | Warte 2017 dann auf ok.- "Zimtstern", "Vanillekipferl" und "Nussteller".

Sonntag, 13. November 2016

Nur weil "ok" drauf steht...

... muss noch lange nicht "ok" drin sein.
Das habe ich neulich auf die harte Tour gelernt.

Aber fangen wir zuerst mit etwas Schönem an, und zwar ok.- pink grapefruit! In der knallrosa BarbieGrapefruitdose.




Was soll ich sagen, ich liebe das Zeug.
Es riecht wie Grapefruitsaft und es schmeckt wie eine Kreuzung aus Grapefruitsaft, -limonade und -fruchtbuttermilch. Dabei tritt das typische ok.- Phänomen auf: Weder zu süß noch zu sauer, halt irgendwie durstlöschend und erfrischend. Und das, obwohl man eigentlich nur Zuckerwasser in sich reinkippt. Top!

... so, schade.
Jetzt muss ich zur - meiner Meinung nach - absoluten Schande aller ok.- Sorten kommen: ok.- wildberry.



Was ist eine wilde Beere, fragt ihr euch? Nun, laut Dose "Frucht- und Lavendelgeschmack". Dass eine Beere Obst ist, da wäre ich beinahe selbst drauf gekommen, aber was hat Lavendel da zu suchen? Nach einem kurzen Abscrollen der Zutatenliste mit dem Auge stolpere ich über "Holunderbeersaft" und "Aroma". Damit kann ich etwas anfangen. Wir haben es also mit einem Haufen ganz und gar ungezähmter, leidenschaftlicher Holunderbeere und etwas Lavendelaroma zu tun. Soll Lavendel nicht eher beruhigen...? Egal.

Nach dem ersten Schluck bin ich extrem froh, dass mir der tiefenentspannte Griffin eine Dose mitgebracht hat, obwohl er mich bereits extensiv davor gewarnt hatte. (Nicht nur bin ich lernresistent, sondern ich spare auch noch Geld, während ich meinen Masochismus auslebe! Männer geben die wahnsinnige Summe von einem Euro aus, damit ich mein Gesicht verziehen kann. Ich bin beliebt!)

Die Plörre schmeckt, als würde man auf einem Blumenstrauß herumkauen, der schon eine Woche lang in dem gleichen Wasser in einer Vase herumvegetiert hat. Und der ziemlich angepisst ist deswegen, denn sauer schmeckt der Drink auch noch irgendwie. Erinnert ihr euch an meinen enthusiastischen Teilpost zum Tranquini? In etwa dieses Niveau erreichen wir hier auch, nur halt blumiger im Abgang.

WARUM???

Die Dose ist farblich ansprechend, aber mehr kann ich dazu nicht mehr sagen. Außer: Es wird erträglich, wenn man Erdbeervodka dazu kippt.

Freitag, 28. Oktober 2016

Kein Koffein, aber auch ungesund

Leute.

LEUTE!

Ich muss etwas extrem Geiles aus dem Edeka mit euch teilen. Hier scheiden sich zwar wohl die Geister, denn Podcast-Mitsabbler Griffin findet das Zeug z.B. grauenerregend. Aber ich liebe es so sehr, ich würde es heiraten, hätte es eine feste Form!

Es macht weder wach noch konzentriert, da es im Prinzip Diabetes zum Trinken ist. Und es schmeckt exakt wie es heißt. In beiden Fällen.




... es gibt gottverdammte Bubblegum-Limo! Sie ist blau und schmeckt halt einfach mal genau wie Kaugummi. Als hätte Hubba Bubba Sex mit Wrigley's gehabt. Es ist süß und voller Aroma und einfach nur episch. (Und färbt leider keine Zungen blau - das wäre die Krönung gewesen.)

Ich gebe zu, ein wenig hat danach mein Bauch gedrückt, aber ich hatte weder einen Zuckerschock noch war mein Magen perforiert. Das nächste Mal würde ich glatt mehrere Dosen davon mitnehmen. Whacke Scheiße.

Und dann gibt es da noch...




... Limo mit Icecream-Soda-Geschmack. Zuerst dachte ich: Okay, Acid, was ist bitte generischer "Eiscreme"-Geschmack? Gibt es einfach Eis ohne Sorte, das halt nach Eis schmeckt? Ich befand mich in einer tiefen philosophischen Zwickmühle.
Und dann probierte ich einfach.

Die Limo schmeckt wie ein flüssiges Vanille-Softeis von McDonald's. Es ist so wunderbar und schön und erfüllend, ohne Witz. Ich würde es literweise trinken, würde es nicht auf Dauer mein Gewicht mehr als verdoppeln!

Steht ihr auf abartige und untypische Geschmäcker bei Getränken?

Dienstag, 25. Oktober 2016

Wie müllig ein Arbeitsvertrag sein kann! - Ein Drama in vier Akten

Ich habe auf Twitter über meinen (noch) aktuellen Arbeitsvertrag gemotzt. Es kam interessierte Resonanz. Hier ist die hilfreiche Resonanz auf die interessierte Resonanz!


Akte I und II

... in welchen der Probezeit-Vertrag lückenlos in den Rest über geht, die rechtliche BGB-Grundlage über Kündigungsfristen in der Probezeit komplett ignoriert wird und auch danach eine komplett bescheuerte Kündigungsfrist vorgeschrieben wird.





FYI - das sagt das BGB:



... und genau darum kündige ich zum 14. - einfach weil ich es kann. :D


Akte III und IV

... in welchen du einfach komplett ausgenutzt wirst.




"Sofort es zwingend erforderlich ist blablablaaaaaaaa." - Auf Deutsch: Die möchten dich gerne so lange da festhalten wie es geht, Aufgrund ultra schwammiger Aussagen.
"Du bist der Arsch vom Dienst und kochst immer neuen Kaffee. Heute darfst du nicht gehen, bevor du nicht 50 Liter Kaffee gekocht hast. Neuer Kaffee ist zwingend erforderlich :)"
"Ich kündige!"
"Geht nicht, darfste noch nicht, remember?"
"Möh!"

Nicht vergütete Zeit für Dienstreisen außerhalb der Arbeitszeit ist der größte Asimüll aller Zeiten. Schon morgens um 6 nach Frankfurt? Und spätabends erst wieder kommen? Pech gehabt, kriegst trotzdem nur 8h Regeltag bezahlt, wie es scheint.
... wobei deren eigene Definition von "Arbeitszeit" ja andererseits 24/7 zu sein scheint... hm :D

Ach ja, und Überstunden werden einfach nicht bezahlt. Dein ganzer Tag ist eh eine einzige lange Überstunde, wozu also noch mitzählen? Höhöhö!

Was halten wir davon? Das hier:




27.10.2016 /// Zusatz:

Jemand war so genervt von diesem Asivertrag, dass er extra noch mal was zu der Überstundenklausel herausgesucht hat!



Hier auch noch mal ein schöner Link zu einem Handelsblattartikel:
http://blog.handelsblatt.com/rechtsboard/2012/09/12/neues-vom-bag-zur-pauschalabgeltung-von-uberstunden/

Das noch mal der Vollständigkeit halber.

Sonntag, 23. Oktober 2016

Moloko - Refresh your mind, sofern's klappt!

Hallooooo...! (streckt sich gemächlich)

Abseits von Privatkram kam in letzter Zeit ja relativ wenig Getränkeinput, obwohl ich x Notizzettel und Bilder auf Halde habe. Man kann sich wohl denken, dass mein lieblicher Kopp eher mit anderen Sachen vollgeballert war als mit übermäßig vielen Blogposts. Das soll sich jetzt wieder ändern.

Als Auftakt gibt es ein großes, philosophisches Fragezeichen - ist es ein Energy? Ist es keiner? Will es einer sein? Ist die Pizza rund oder flach oder beides?




"Refresh your mind", sagte die Dose mit dem lustigen Namen "Moloko" und dem ansprechenden, cleanen Design zu mir im Rewe.
"Ok, bring it on", erwiderte ich, und ließ das kleine Schnuckelchen in den roten Einkaufskorb hüpfen.

Es steht zwar nur explizit "Softdrink" drauf, aber hey, irgendwie soll das Zeug scheinbar wach oder zumindest konzentriert machen, also probieren wir's aus!




... hm. Kein Koffein, kein Taurin, kein sonstiges Hyper-Hyper-Gedingse. Dafür jede Menge Zucker, Zitruskram, Aroma und... Gerstenmalzextrakt? Okay, whatever. Bin ja offen für so einiges.

Zärtlich betätigte ich die Lasche an der Dose und ließ sie aufknacken.
Der Geruch war extrem lecker - zitrussig, aber nicht zu süß.
Das Objekt meiner Begierde fühlte sich eiskalt an und kam direkt aus dem Kühlschrank, weswegen die Dose unmittelbar in meinen fachmännischen Händen feucht zu schwitzen begann.
Ich war bereit. Die Dose war bereit. Meine Lippen waren bereit.

Purer säuerlicher Zitrusgeschmack! Mit ein wenig Süße! Und noch etwas anderem.
Hinten drauf steht "Holunderblüten- und Ingwergeschmack". Könnte hinkommen. Etwas Herbes, Blumiges ist präsent, und im Abgang kommt eine ganz milde Schärfe heraus.
Nice, also wirklich.
Wacher oder fokussierter hat mich das nicht gemacht (mich macht allerdings fast gar nichts mehr wach außer purem Adrenalin- oder Hormonrausch ;D), aber es war halt mal verdammt lecker, ne? +1. Abo. Bockt. Like. 5/5, gerne wieder!

Wehmütig schaute ich die leere Dose an.
Sie erwiderte den Blick nicht, denn ich hatte sie getötet. Ausgesaugt. Sie war nur noch eine leere Hülle; ein Schatten ihrer selbst.
Ohne zu zögern nahm ich sie und warf sie in die Pfandtüte zu all den anderen. Mein Dosenfriedhof nahm sie leise und blechern scheppernd auf. Sie alle hatte ich hemmungslos benutzt, um meinen Durst zu befriedigen. Alle waren sie für meine Bedürfnisse draufgegangen.

Es sollten noch viele mehr werden.

Donnerstag, 20. Oktober 2016

Warum ich mich wiederholt in der Mitarbeitertoilette auszog

Hallo, kleine Flauschemietzen!

Ich komme gleich zum Punkt: Wer in den letzten Monaten halbwegs aufmerksam hier, auf Twitter und auf meinem YouTube-Kanal war, der dürfte wissen - ich hasse meinen aktuellen Job. Da ich aber nicht nur meckern und mich in Selbstmitleid suhlen kann, habe ich mich stoisch weiter beworben.

Teils auch ganz dreist während der Arbeitszeit Job-Mailinglisten durchwühlt.


Aber irgendwie schien mich keiner sonst haben zu wollen. Bachelor-B-Ware.

Ich hatte gerade frisch die Hoffnung zum ca. 40. Mal aufgegeben und wollte mir einen Bleistift mit dem spitzen Ende ins Auge rammen, während ich vor drei Projekten gleichzeitig saß (alle mit der Deadline "gestern"), da klingelte mein Handy! Unbekannte Nummer!! Adrenalin!!! Entweder wollte man mir einen Vertrag für Sky Bundesliga andrehen, oder aber...

Ich eilte ins Treppenhaus meiner Arbeitsstelle (woanders kann man nicht wirklich ungestört telefonieren) und swipte mit zittrigen Fingern nach rechts. Ein Mann nuschelte mir ins Ohr; vielleicht war auch einfach nur der Empfang scheiße.
"Wer ist da?", hakte ich dümmlich nach.
"Herr XYZ von XYZ, sie hatten sich beworben!"
"Oh... stimmt..."



Ich machte mit dem nordisch unterkühlten, aber netten Herren also einen Termin für Mitte nächster Woche aus. Das würde lustig werden - abends nach der Arbeit noch abgehetzt da hin, irgendwie nice aussehen, irgendwo noch Gehirn-Restreserven mobilisieren.

Bequemerweise wurde ich gegen Ende der Woche krank.

Bequemerweise war ich die ganze nächste Woche krankgeschrieben.

Anstrengenderweise schleppte ich mich dennoch in Blazer und Pumps zu dem Gespräch und hoffte, nicht allzu durch zu sein. Der Eingangsbereich des Gebäudes sah aus wie teure Hotellobbies aus Hollywoodfilmen. Ich war in meinen besten Klamotten und fühlte mich underdressed.

Ich wurde in einen Raum geführt, in dem nichts weiter war außer einem Tisch, einem Stuhl, einem Telefon, einem Rechner mit zwei Bildschirmen und einem Glas Wasser. Dezent unvorbereitet auf CIA-artige Einstellungstests brach ich in Schweiß aus und verbrachte die nächsten 45min alleine in dem Raum und löste Aufgaben.




Richtig gelesen. Irgendwie löste ich mit Schwindel, aber immerhin sehr hydriert ALLE FUCKING AUFGABEN. Die letzten paar Minuten verbrachte ich sogar mit ungläubigem Starren auf den Bildschirm!

Danach hatte ich ein entspanntes Gespräch mit meinem neuen Homie, Herrn Nordisch By Nature, und noch einer netten Dame. Ich durfte Kekse essen und mir anhören, dass sie meinen aktuellen Arbeitgeber gar nicht mal so knorke finden. Innerlich starb ich diverse Tode, äußerlich war ich smart und wortgewandt. Fragt mich nicht wie, ich weiß es auch nicht! Ich ging nach Hause und in meinem Kopf zeichnete sich ein Silberstreif der Hoffnung am Hypothalamus-Horizont ab.

Danach passierte erstmal gar nichts.

Dann sollte ich in den Recall.

"Leider" war ich nicht mehr krankgeschrieben, hatte den Termin recht früh und musste deswegen bereits früher gehen (in meinem Büro Todsünde Nummer 1 neben dem Wunsch nach fairem Workload). Ich konnte also nicht einfach in Ruhe, vorbereitet und bereits schick da hinspazieren. Ich konnte aber auch nicht in voller Businessmontur auf der Arbeit erscheinen. Genauso gut hätte ich ein Neonschild mit mir herumtragen können, auf dem stünde "Ich hasse alles hier und bewerbe mich woanders, LOLZ!!"


Was tun...?

In die sehr geräumige Toilette für Leute auf vier Rollen gehen, sich binnen fünf Minuten umziehen und hübsch machen, sich fragen wie man all die Klamotten samt Blazer knitterfrei in die Handtasche gestopft hat, an der Tür lauschen und dann... hetzen was das Zeug hält. Bis nach draußen. Dann schnellen Schrittes zur U-Bahn. Hauptsache außer Gebäudesichtweite!

Danach hatte ich das zweitentspannteste Gespräch auf Erden.
Es gab Kekse UND Celebrations. Ich aß zwei Bounty, einen Keks und krümelte meinen Blazer voll like a lady.

Danach passierte wieder erstmal gar nichts.

Dann sollte ich in den zweiten und letzten Recall. Langsam gingen mir die Ausreden aus.

Repeat circle. Kram in Handtasche stopfen (und sich dabei Hoipoi-Kapseln wünschen), hektisch auf der Toilette umziehen, Eile.

Dieses Mal wurde ich vor einen extrem großen Flachbildfernseher gesetzt - auf dem Tisch neben mir ein Mikro. Auf dem Fernseher sah ich meine angsterfüllte eigene Wenigkeit oben rechts in der Ecke sowie ganz groß und riesig einen leeren Raum.

Ich starrte 10min lang aus dem Fenster, bis in dem Raum auf dem Fernseher plötzlich Leute waren.

Danach erzählte ich zwei Frauen auf Englisch wer ich war, warum ich aus meinem aktuellen Job weg wollte und was genau ich bei denen wollte. Manchmal fielen mir ad hoc Begriffe wie "Jahresabschlussprüfung" nicht ein (annual audit, by the way); dann umschrieb ich sie einfach grundschülerhaft simpel. Aber ich sagte nie nichts.

Und ich glaube, genau darum habe ich demnächst einen neuen Job.