Freitag, 24. Februar 2017

Zitronenlimonade

Gedanken, nachts, im Zug nach Hause | Diese saudämliche Floskel vonwegen - wenn das Leben dir Zitronen gibt, dann mach Limonade draus...!

Man könnte es ja auch mit Portal 2 halten und sagen: Wenn das Leben dir Zitronen gibt, dann verlange danach, den Manager zu sprechen. Sag, du willst die Zitronen nicht. Bitte um, nein, verlange nach einer Retoure! Bring das Leben dazu, die Zitronen zurückzunehmen. Aber auch so läuft das Leben nicht. Nirgendwo ist ein Kassenbon mit dem du einen riesigen Aufriss machen kannst. Nirgendwo ist eine Quittung.

Das Leben ist seine eigene Quittung.

Das Ding ist, es läuft doch eigentlich alles ganz anders ab.
Da kommst du daher und siehst einen schnieken Limonadenstand. Alles ist perfekt, aber der Inhaber ist ein absoluter Vollpfosten. Du fragst dich, wie er je einen Limonaden-Produzier-Abschluss geschafft hat, weil er mental die absolute Nulpe ist.
Du beginnst am Stand herumzulungern. Die Limonade schmeckt dir so gut, und der Stand ist so gemütlich... du fühlst dich wie zu Hause. Da ist diese komische Anziehung.

Und dann, eines Tages, verlässt der Besitzer den Stand ganz kurz, weil Toilettenpause oder was weiß ich was. Du bist gerade da. Der Stand ist alleine. Es kommen andere potentielle Kunden vorbei und wundern sich, warum der schöne Stand alleine ist und niemand daran Limonade produziert. Unmut macht sich breit. Erste Kunden beginnen, interessiert hinter den Tresen zu spähen. Du gönnst den anderen Leuten den Stand nicht, weil du ihn selbst so toll findest, und klammheimlich hast du eh schon immer davon geträumt, ihn selbst zu bedienen.
Du schlenderst zaghaft hinter den Tresen. Du versuchst die Geräte zu benutzen. Erst traust du dich nicht so recht, doch dann läuft irgendwie alles wie von selbst. Es gibt keine technischen Fehler. Alles funktioniert. Du produzierst Limonade. Und herrje, ohne dich selbst loben zu wollen - die Limo schmeckt godlike. Die Kunden sind begeistert, wertschätzen das Ergebnis und bleiben was sie immer schon waren: Beobachter und Konsumenten aus der Ferne. Du passt zu dem Limonadenstand. Du bist eines mit dem Limonadenstand.

Der Vorbesitzer kommt zurück - in Hektik. Er habe seine Schicht vollkommen vergessen. Doch der Limonadenstand gehört nun dir. Du hast alle Rechte. Für andere ist der Zugang gesperrt. Der Limonadenstand funktioniert gar nicht mehr in Harmonie mit dem vorigen Inhaber; dieser hat keinen Zugriff mehr. Sie sind nun einfach inkompatibel. Du fragst dich kurz, ob du ein schlechtes Gewissen haben sollst. Aber dann denkst du - warum? Der Dulli hat sein Eigentum völlig unbeaufsichtigt im Ungewissen gelassen. Hättest du nicht gehandelt, hätten andere gehandelt. Und mit dir ist der Stand doch eh viel besser dran. Du wolltest ihn schon immer haben.

Angebot und Nachfrage,.. aber vor allem verdammt viel Glück, und sehr viel richtiges Timing. Verdammt viel Zufall, auch.

Leben halt.

Vielleicht hat die Floskel doch recht. Man muss nur einen Limonadenstand finden, der einem das optimale Setting bietet, um Limonade zu machen. Ohne großartige Umbauten.

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