Samstag, 4. August 2012

Lebst du noch oder postest du schon?

Während ich gerade schon ungelogen seit über 3 Stunden mit dem Upload einer 18min-Folge beschäftigt bin, kam mir ein im Nachhinein irgendwie sehr offensichtlich wirkender Gedanke...

YouTuber, Twitterer etc... ganz, ganz viele updaten permanent, also beinahe schon im Minutentakt, was so alles in ihrem Leben abläuft. Und filmen wirklich ALLES, was sie tun. Vor allem, wenn sich auch noch zwei oder mehr einer der genannten Spezies im selben Raum befinden.
Als ein Let's Player neulich bei mir zu Besuch war, haben wir irgendwie ständig Bemerkungen fallen lassen wie "Wär das nicht ein lustiges Video?", und uns teilweise sogar extra überlegt, was man denn so filmen könnte, als Bonus-Zwischendurch-Videos.

Im Nachhinein stimmt mich das schon etwas nachdenklich. Kann man denn wirklich gar nichts mehr unternehmen, erleben, kaufen, essen, lieben ohne es gleich bei Facebook, Twitter oder YouTube zu veröffentlichen? In erster Linie mache ich all diese Sachen doch für mich, ohne darüber nachzudenken was andere davon haben! (Ausgenommen natürlich meine Let's Plays aus offensichtlichen Gründen.)

Und ja, auch ich poste regelmäßig bei Facebook und Twitter. Und manch einer möchte mich jetzt vielleicht Heuchlerin nennen.
Aber: Ich instagramme nicht jede einzelne Mahlzeit. Steht Essen vor mir auf dem Tisch, bin ich ganz oft viel zu sehr darauf fixiert, es runterzuschlingen weil es so gut riecht und ich monströsen Hunger habe und Essen einfach liebe. Und es muss halt nicht jede olle Currywurst oder jeder Müsliteller auf Instagram landen, imo. Gerade bei so simplen Sachen wie Eintopf sieht das Bild ganz schnell nach bereits verdautem und wieder zu Tage befördertem Essen aus. Da hebe ich mir das Geknipse lieber für richtig schick und lecker aussehende Ausnahme-Gerichte auf.
Beginne ich eine Beziehung, überlege ich es mir vorher ebenfalls gut, ob ich nun den "Vergeben"-Button beim Gesichtsbuch hämmere, damit jeder ungefragt seine Meinung zur Kompatibilität beider Personen abgeben kann. Und wenn ich mich schminke und schick anziehe, ist nicht meine erste Amtshandlung im neuen Outfit ein Foto von schräg oben links für meinen Blog, damit mich andere fragen können, wo ich die tollen Sachen herhabe.

Kurz: Ich kann auch durchaus existieren, ohne alles online zu protokollieren. Ich fände es schade, nicht mehr vernetzt zu sein, wenn mein Internet gekappt wäre - aber viel eher wegen den tollen Leuten, die ich durch meine Hobbies online kennen gelernt habe und die teilweise zu echten Freunden mutiert sind, und nicht, weil ich nicht mehr jede Nanosekunde meines Lebens für einen Haufen Fremder dokumentieren kann. Sondern wegen stundenlangen, tollen Skypegesprächen, gemeinsamem Zocken, schlichtem Herumnerden...

Quizfrage an euch Leser: Na, hoffentlich fallen euch auch noch ganz viele Sachen ein, die ihr in letzter Zeit gemacht habt, ohne alles irgendwo zur Schau zur stellen? Manchmal ist ein wenig Privatsphäre sogar sehr förderlich, um weiter Spaß an einer Sache zu haben. Manchmal braucht man noch etwas für sich, sich ganz allein, ohne dass 100 Leute es mit Daumen hoch oder Daumen runter bewerten.

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